Krankenehrlichkeit

Allgemein 17. February 2020

06.04.2017, Diary Note

Als ich ein Kind war wurde ich die kleine Nachtigall genannt.  Heute singe ich nicht mehr viel. Es ist wie eine große Leerstelle zwischen dem großen Mädchen und der kleinen Frau. Wenn ich singe, höre ich die Stimme meiner Mutter im Ohr und fühle mich selbst wie sie. Eine Mutter die dem Kind ein Schlaflied vorsingt. Die Stimme beruhigend und gleichzeitig ernst, als würde sie für einen ewigen Schlaf in einem luftlosem Raume singen.  Ich bin hier und erlebe den Schmerz. Durchdringend ist das Wissen über die schadenfrohe Einfachheit des Lebens. Es schießt fliegend schnell an meinen Blutbahnen entlang und erreicht die zuckenden Nervenenden. Dann scheint alles auf einen Riesenknall zuzulaufen und verpufft dann aberwitzig im stillem Nichts. In manchen Nächten sitze ich zusammengekauert da und flüstere zu mir selbst. Lachend werfe ich dann meinen Kopf in den Nacken und spotte über mich. Eine alte Seele sitzt da neben oder in mir und schaut mich wohlwissend an, genüßlich meinen vergeblichen Kampf betrachtend. Menschen neigen dazu das Leben zu verkomplizieren und sich selbst zu wichtig zu nehmen. Verschleiert wird das Wesentliche, weil es unaushaltbar zu sein scheint sich mit der Einfachheit auseinander zu setzten.

Fremd sein

Allgemein 17. February 2020

Frühjahr 2015, Diary note

Fremd sein

So vergebens suchend. So suchend nach einem Weg.
Einem gelassenen Weg. Bin ungeduldig. Bin wütend.
Das Mittelmaß ist nirgends zu finden. Und mir geht es oft beschissen. Unausgeglichen.

Disziplin ruft,
Noch nicht
Bald schon.
Verzeih mir!
Verzeih dir.
Viel machen
Viel schaffen.
Tag –––
Und Nacht.

Künstliche Welt. Glitzer, Pling, Pling.
Rein, rein, immer nur rein.
Und wann raus?
Konsumieren.
Bin so satt. Satt, satt, satt.

Das ist wie es läuft. So dahin läuft ––
Es plätschert, manchmal ist es tosend oder rauschend.
Dann wieder wie ein seichtes, niemals endendes.


Rückfahrt.
Wohin?
So satt.
So qualvoll.
So schwer.
So furchtbar – Schön.

Mut braucht es und Größe.
Konsumieren.
Ich und alle konsumieren unentwegt.
Sind damit am Ende des Wegs.

Alles zu viel und doch zu wenig: Rummachen, bringt nichts ohne Liebe. Liebe zu meinen Mitmenschen, liebe zu meiner Umwelt.
Hoffnung.
(Doch) Und was nützt es –– alles?
Können wir uns dann verstehen?
Wer versteht mich?
Wen verstehe ich?
Und,
Verstehe ich mich?

So schwer, dass ich manchmal im Stillstand verharren möchte.
Doch ich funktioniere
Welch` eine Höllenqual.
Mein Körper brennt.
Sinn? Fraglich. In allem.

Mut muss her. Abspaltung!
Freude auch. Traurigkeit zuerst. 
Schmerz. Viel schmerz.
Viel Musik auch. Gute Musik. Gute Bilder. Gute Gespräche.
Leider alles – gehemmt.
Der Ort ist unklar. Aber vielleicht gibt es den Ort auch nicht. 
Ihn in mir finden.
Stille. Zurücknehmen und Geben. 
Nicht konsumieren.
Disziplin. Demut. Hoffnung. Liebe.

All` das, Firlefanz.

Liebesglück

Allgemein 17. February 2020

Sommer 2017

Liebesglück

Schleudere dich wie Pusteblumen weit über die See

Geb Dir nur gezählte Stunden aus Angst vor großem Weh

In der einen Stund lass ich uns im Schweben

Gerad aus deinem Mund große Träume Weben 

Im Grunde will ich wenig

Kaum ein gesetztes Grab,

Bloß dass du dich ewig 

mir ergeben magst. 

Kaum lässt du dich fallen 

suche ich die Ferne

Verheddert in den Quallen 

Seh ich viele Sterne

Am Ende fühl ich mich allein 

und krieche feig zurück

Und du? Du lässt es dir gefalln

Mein armes, liebes Glück.

critic and confession

Allgemein 17. February 2020

Exhibition opening text, Hanover, Summer 2017

It may be a chaos, it may be a game, it may be a fairy land, it may be daily life. 

This is my hymn to the diversity of realities. 

Through the chaos I might return to the very beginning one day. 

Then, I will follow pure simplicity. 

Sollen

Allgemein 17. February 2020

Herbst 2017

Sollen

Das soll’n will ich im Raume lassen und möcht’ vom Herz aus geh’n 

Die Sinne mit dem Sinn erfassen 

Mit wachen Schritten geh’n

Das Wissen um die Losigkeit 

In allem und in mir 

Bleibt bei mir, fern von Ewigkeit 

So geh ich fort von hier. 

Nähe

Allgemein 17. February 2020

Sommer 2017

Kann niemand in das Nahe lassen 

Sonst werde ich es fesseln 

Und gäb mich sicher in das Hassen 

Das würde uns sehr quälen 

Die Sicherheit riecht mir verlogen 

Und stellt sich hinten an. 

Sie ist mich wie die Meereswogen 

Die ich nicht halten kann 

Zu flattrig fliegt der Schmetterling 

schafft’s nicht über die See 

Glaub’ doch nicht dass die Krieger singen 

Und tu mir selbst nicht weh 

So ist die Liebe nicht

Allgemein 8. February 2020

31. Mai 2016

Liebe geht einher mit Hass. Böses geht einher mit Guten, Gutes geht einher mit Bösem.Es gibt kein Gut und kein Schlecht. Drum gibt es keine Liebe und keinen Hass.

Doch um an diesen Punkt zu gelangen müssen wir anscheinend durch den Hass hindurch gehen und die Liebe überwinden. Es macht mir den Anscheint, als könnten wir nur durch Überwindung aller Gefühle gleichermaßen, der Gespaltenheit entkommen. 

Die Liebe tut so weh, dass ich beginne sie zu Hassen und der Hass wird so groß, dass ich gezwungen bin ihn zu lieben. Diese Auseinandersetzung zweier Seelen ist dem Selbstzweck
zu Diensten. So zeigt sich in Ihr, der Auseinandersetzung, der Hass und die Liebe zweier Seelen gegenüber sich selbst. Man tut all dies nicht wegen eines anderen, sondern aus eigener Entscheidung heraus. 

Kirschblüten

Allgemein 30. December 2018

26.04.2016

Noch nie in meinem Leben durfte ich solch eine Schönheit sehen.
Diese Blütenfülle sprießt so kraftvoll und zugleich zerbrechlich aus dem grauen Geäst, dass sich mir die geballte Vergänglichkeit des Seins spiegelt.
Zutiefst berührt und ehrfürchtig sitze ich in diesem Moment unter einem, bis in den letzten Winkel gefüllten, Kirschblütenhimmel. 
Den Kopf in den Nacken legend, sehe ich einige Blütenblätter leise durch die Luft segeln.
Japaner sagen, dass dieser Anblick das Herz beruhigt.
Bei meiner Kirschblütentaufe konnte ich einerseits den Blick nicht abwenden, anderseits fühlte ich fast zu viel Scham, um den Anblick dieser Pracht stand halten zu können. Mein Herz ist in viele kleine Teilchen zersprungen.
Heute Abend wird es regnen und die abertausend Blüten werden gehen.
Hier in Japan ist vieles einfacher für mich. 
Vielleicht liegt es an der distanzierten Zaghaftigkeit der Menschen und ihrer selbstverständlichen Verbundenheit zu der Natur.
Es ist Leise und Laut zugleich. Die niemals endende Gegensätzlichkeit dieser Welt lässt meinem Geist großen Freiraum. 
Beinahe unheimlich vertraut ist mir der Umgang mit Sprache und Mensch in diesem Land, sodass eine große Last von mir abgleitet. Der Zustand, des sich nicht erklären müssens, erleichtert mich ungemein und bleibt mir sprachlich unbeschreiblich. 
Dennoch merke ich nicht unbedingt Teil der japanischen Gesellschaft zu werden. Bewunderung oder Abneigung stehen stets zwischen mir und den Einheimischen. Ob sich dass nach einem langjährigen Aufenthalt und besseren Sprachkenntnissen ändern würde, bezweifle ich. 
Aber es ist generell nicht die Gesellschaft die mich hier herzieht, sondern die Atmosphäre der Natur. Und dennoch sind die menschlichen Begegnungen nicht unbedeutend. 



24.06.2018

Allgemein 30. December 2018

Es ist ein Jammer, dass meinen Mitmenschen das allgegenwärtige, auf wundersame Weise aufgehende, Kommunikations-Wunder unbemerkt zu bleiben scheint. 
Der Schönheit des wahrzunehmenden Raums wird kaum Zeit im Bewusstsein ermöglicht.
Ich möchte meinen Zeitraum des Lebens auf andere Weise erleben als alle Menschen, die mir je begegnet sind. 
Wie kann eine radikale Veränderung der Wertvorstellungen sein? 
Was, wenn nun alles darauf ankommt wie viel Du wahrnehmen kannst und was das im Umgang mit Deinen Mitmenschen ausmacht? 
Und läuft ein Großteil des Geschehens nicht bereits über diese Linie? 
Wenn Menschen Wissen, wie sie zu welchem Zeitpunkt zu kommunizieren/agieren haben, können sie ihrem “Willen“ folgen. 
Sie können der Gesellschaft eine Wendung im Klang/Rhytmus geben. 
Wie klingen Wir zusammen? 
Wie hat sich der Weltklang in den letzten Jahrhunderten Verändert/Entwickelt? 
Mein “Wissen“ ( https://de.wikipedia.org/wiki/Wissen ) ist sehr gering. 
Jede Information die ich empfange und in mir aufnehme trifft mich in allen Sinnen. 
Die Dinge beschäftigen mich langanhaltend und leidenschaftlich. 
Ich verarbeite jede Information immer wieder – manche halten über Jahre lang an, andere zerfließen in mir an einem Tag. 
Dieser Raum soll   1   6   1   Zentimeter fassen, doch lässt dich diese Größe nicht bemessen. Die unendliche Weite meiner Spähre lässt weit meiner Glieder sich erstrecken. Ich räkle mich auf der sonnigen Zeit-Fensterbank. Dort hör` ich den Vogel im Wasser denken: 
„Ob die anderen wohl immer noch da sind?“ 
Dann mach` ich die Augen auf und das Licht lässt die Blasen im Wasser bunt sich erfassen. 
Ich fühle wie es  – durch meine Glieder rinnt – und rennt. 
Es pocht etwas an meiner Hand.
Ein Atemstoß summt durch den Gang. 
Auf und An – kommt auf den Zeit-Raum an.