Kirschblüten

Allgemein 30. December 2018

26.04.2016

Noch nie in meinem Leben durfte ich solch eine Schönheit sehen.
Diese Blütenfülle sprießt so kraftvoll und zugleich zerbrechlich aus dem grauen Geäst, dass sich mir die geballte Vergänglichkeit des Seins spiegelt.
Zutiefst berührt und ehrfürchtig sitze ich in diesem Moment unter einem, bis in den letzten Winkel gefüllten, Kirschblütenhimmel. 
Den Kopf in den Nacken legend, sehe ich einige Blütenblätter leise durch die Luft segeln.
Japaner sagen, dass dieser Anblick das Herz beruhigt.
Bei meiner Kirschblütentaufe konnte ich einerseits den Blick nicht abwenden, anderseits fühlte ich fast zu viel Scham, um den Anblick dieser Pracht stand halten zu können. Mein Herz ist in viele kleine Teilchen zersprungen.
Heute Abend wird es regnen und die abertausend Blüten werden gehen.
Hier in Japan ist vieles einfacher für mich. 
Vielleicht liegt es an der distanzierten Zaghaftigkeit der Menschen und ihrer selbstverständlichen Verbundenheit zu der Natur.
Es ist Leise und Laut zugleich. Die niemals endende Gegensätzlichkeit dieser Welt lässt meinem Geist großen Freiraum. 
Beinahe unheimlich vertraut ist mir der Umgang mit Sprache und Mensch in diesem Land, sodass eine große Last von mir abgleitet. Der Zustand, des sich nicht erklären müssens, erleichtert mich ungemein und bleibt mir sprachlich unbeschreiblich. 
Dennoch merke ich nicht unbedingt Teil der japanischen Gesellschaft zu werden. Bewunderung oder Abneigung stehen stets zwischen mir und den Einheimischen. Ob sich dass nach einem langjährigen Aufenthalt und besseren Sprachkenntnissen ändern würde, bezweifle ich. 
Aber es ist generell nicht die Gesellschaft die mich hier herzieht, sondern die Atmosphäre der Natur. Und dennoch sind die menschlichen Begegnungen nicht unbedeutend. 



24.06.2018

Allgemein 30. December 2018

Es ist ein Jammer, dass meinen Mitmenschen das allgegenwärtige, auf wundersame Weise aufgehende, Kommunikations-Wunder unbemerkt zu bleiben scheint. 
Der Schönheit des wahrzunehmenden Raums wird kaum Zeit im Bewusstsein ermöglicht.
Ich möchte meinen Zeitraum des Lebens auf andere Weise erleben als alle Menschen, die mir je begegnet sind. 
Wie kann eine radikale Veränderung der Wertvorstellungen sein? 
Was, wenn nun alles darauf ankommt wie viel Du wahrnehmen kannst und was das im Umgang mit Deinen Mitmenschen ausmacht? 
Und läuft ein Großteil des Geschehens nicht bereits über diese Linie? 
Wenn Menschen Wissen, wie sie zu welchem Zeitpunkt zu kommunizieren/agieren haben, können sie ihrem “Willen“ folgen. 
Sie können der Gesellschaft eine Wendung im Klang/Rhytmus geben. 
Wie klingen Wir zusammen? 
Wie hat sich der Weltklang in den letzten Jahrhunderten Verändert/Entwickelt? 
Mein “Wissen“ ( https://de.wikipedia.org/wiki/Wissen ) ist sehr gering. 
Jede Information die ich empfange und in mir aufnehme trifft mich in allen Sinnen. 
Die Dinge beschäftigen mich langanhaltend und leidenschaftlich. 
Ich verarbeite jede Information immer wieder – manche halten über Jahre lang an, andere zerfließen in mir an einem Tag. 
Dieser Raum soll   1   6   1   Zentimeter fassen, doch lässt dich diese Größe nicht bemessen. Die unendliche Weite meiner Spähre lässt weit meiner Glieder sich erstrecken. Ich räkle mich auf der sonnigen Zeit-Fensterbank. Dort hör` ich den Vogel im Wasser denken: 
„Ob die anderen wohl immer noch da sind?“ 
Dann mach` ich die Augen auf und das Licht lässt die Blasen im Wasser bunt sich erfassen. 
Ich fühle wie es  – durch meine Glieder rinnt – und rennt. 
Es pocht etwas an meiner Hand.
Ein Atemstoß summt durch den Gang. 
Auf und An – kommt auf den Zeit-Raum an.