Krankenehrlichkeit

Allgemein 17. February 2020

06.04.2017, Diary Note

Als ich ein Kind war wurde ich die kleine Nachtigall genannt.  Heute singe ich nicht mehr viel. Es ist wie eine große Leerstelle zwischen dem großen Mädchen und der kleinen Frau. Wenn ich singe, höre ich die Stimme meiner Mutter im Ohr und fühle mich selbst wie sie. Eine Mutter die dem Kind ein Schlaflied vorsingt. Die Stimme beruhigend und gleichzeitig ernst, als würde sie für einen ewigen Schlaf in einem luftlosem Raume singen.  Ich bin hier und erlebe den Schmerz. Durchdringend ist das Wissen über die schadenfrohe Einfachheit des Lebens. Es schießt fliegend schnell an meinen Blutbahnen entlang und erreicht die zuckenden Nervenenden. Dann scheint alles auf einen Riesenknall zuzulaufen und verpufft dann aberwitzig im stillem Nichts. In manchen Nächten sitze ich zusammengekauert da und flüstere zu mir selbst. Lachend werfe ich dann meinen Kopf in den Nacken und spotte über mich. Eine alte Seele sitzt da neben oder in mir und schaut mich wohlwissend an, genüßlich meinen vergeblichen Kampf betrachtend. Menschen neigen dazu das Leben zu verkomplizieren und sich selbst zu wichtig zu nehmen. Verschleiert wird das Wesentliche, weil es unaushaltbar zu sein scheint sich mit der Einfachheit auseinander zu setzten.